Neues VENRO-Serviceangebot für NRO

Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe  hat unter http://venro.org/service/ ein vielfältiges Informationsangebot eingerichtet. Auf dieser Webseite finden Sie ab sofort Fortbildungsangebote, eine Good-Practice-Bibliothek sowie einen kostenlosen Selbsttest, mit dem NRO feststellen können, wie gut sie im Vergleich zu den #VENRO-Standards abschneiden.

VENRO AG Wirkungsbeobachtung

Wirkungsbeobachtung ist ein zentrales Anliegen der VENRO-Mitglieder. Mit dem VENRO-Verhaltenskodex zu Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle haben sie sich zu einer wirkungsorientierten Arbeitsweise verpflichtet.

Die AG will die Diskussion zur Wirkungsbeobachtung auf politischer Ebene vorantreiben. In der Arbeitsgruppe sollen Best-Practice-Beispiele zusammengeführt und die Mitglieder in der Umsetzung einer wirkungsorientierten Arbeitsweise unterstützt werden. http://venro.org/themen/themen-wirkungsbeobachtung/

Im Jahr 2008 wurde die VENRO-AG Wirkungsbeobachtung gegründet. Sie dient dem Erfahrungsaustausch, der gemeinsamen Erarbeitung inhaltlicher und politischer Positionen sowie dem Dialog mit Akteuren aus Politik und Wissenschaft. Ein zentraler Aspekt von Wirkungsorientierung ist die Partizipation der lokalen Zielgruppen. VENRO engagiert sich hier unter anderem im NGO-IDEAs Prozess. Im Diskurs zu Wirkungsorientierung in der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit hat die AG Bildung lokal-global zudem wichtige Impulse setzen können.

Die AG Wirkungsbeobachtung befasst sich in diesem Jahr mit dem Thema „Lernen aus Evaluierung“. Dazu findet im Juni 2013 ein interner Workshop statt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit Möglichkeiten der partizipativen Entwicklung von Indikatoren. Ein zentrales Anliegen der AG besteht zudem darin, den 2012 mit dem Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) begonnenen Dialog fortzusetzen. Im Februar dieses Jahres hat hierzu ein gemeinsames Treffen stattgefunden.

Ethik in Spendenmailings

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) und VENRO haben gemeinsam eine Handreichung zur Ethik der Spendenmailings herausgegeben. Die Handreichung verfolgt das Ziel, eine praxisgerechte Ausgestaltung des VENRO-Kodex Entwicklungsbzogene Öffentlichkeitsarbeit zu erleichtern.

Diese Handreichung verfolgt das Ziel, eine praxisgerechte Ausgestaltung und Anwendung der genannten Leitlinien und Kodizes zu erleichtern, da diese Regelwerke wegen ihrer vielgestaltigen Zielgruppen zum Teil auf allgemeiner Ebene bleiben müssen. Dies kann zur Verunsicherung bei den betroffenen Organisationen führen, der wir gemeinsam begegnen möchten.

Die vorliegende Handreichung konzentriert sich auf die Werbung durch Spenden-Mailings, das heißt Briefwerbung an die Adresse aktueller oder potenzieller Spenderinnen und Spender. Mailings sind ein wirksames und erprobtes Werbemittel. Ihre Wirkungsweise und Gestaltung unterliegen immer den gleichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten.

Das gilt unabhängig davon, ob wir uns im Profit- oder Non-Profit-Sektor bewegen. Die Response-Funktion bzw. der Appell zum Handeln in einem Spendenaufruf spielen dabei eine wesentliche olle. Hervorhebungen durch Fettdruck in Briefen, eingedruckte Unterschriften oder Beilagen in Foto-Optik sind einfache Werbemittel, die in der heutigen Zeit vom Großteil der Spenderinnen und Spender klar als Werbung verstanden und akzeptiert werden. Diejenigen Organisationen, die auf Privatspenden angewiesen sind, setzen dieses werbliche Handwerkszeug ein, um den Eingang von Spenden sicher zu stellen und die Durchführung von Projekten zu ermöglichen.

Download: VENRO-DZI_EthikMailings

Die Harcoverversion kann unter sekretariat(at)venro.org bestellt werden.

VENRO-Verhaltenskodex Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle

Ziel dieses Kodexes ist es, durch gemeinsame Prinzipien und Standards eine verbesserte Qualität der zivilgesellschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe herbeizuführen und die Arbeit der VENRO-Mitglieder für die Öffentlichkeit und den Spender transparent zu gestalten. Der Kodex ist ein Instrument des kollegialen Miteinanders mit der Zielsetzung, durch Transparenz und die Verpflichtung auf gemeinsame Prinzipien und Standards das Vertrauen der Spender und der Öffentlichkeit in die NRO-Arbeit zu stärken.

Die VENRO-Mitglieder verpflichten sich mit der Verabschiedung dieses Kodex zu den unten beschriebenen Prinzipien und Standards in den Bereichen Organisationsführung, Kommunikation, Betriebsführung und Wirkungsorientierung. Abweichungen von den Grundgedanken dieses Modells sind zu begründen. VENRO Mitglieder verpflichten sich, trotz begründeter Abweichungen von den Standards im Einzelfall den Geist der hier genannten Prinzipien zu erfüllen.

Der Kodex wurde von den VENRO-Mitgliedern vereinbart und von der VENRO Mitgliederversammlung 2008 verabschiedet. Die genannten Prinzipien und Standards sind für alle derzeitigen und zukünftigen Mitglieder verbindlich.

Die Verbindlichkeit des Kodex wird wie folgt sicher gestellt:

• VENRO-Mitglieder verpflichten sich, die Umsetzung des Verhaltenskodexes in einem kontinuierlichen Prozess zu begleiten.
• VENRO-Mitglieder unterstützen sich gegenseitig bei der Umsetzung der im Kodex festgelegten Prinzipien und Standards.
• VENRO-Mitglieder veröffentlichen eine Verpflichtung auf die Prinzipien und Standards des Kodexes.

In einem kontinuierlichen Prozess tauschen die VENRO-Mitglieder ihre Erfahrungen mit dem Kodex aus und entwickeln die Prinzipien und Standards weiter. Zur Steuerung dieses Prozesses gründen die VENRO-Mitglieder die Arbeitsgruppe »Verhaltenskodex«.

Bei Streitigkeiten hinsichtlich der Erfüllung dieses Kodex und bei schweren mutmaßlichen Verstößen gegen ihn kann der VENRO-Vorstand die Schiedsstelle zur Schlichtung von Streitigkeiten bzw. zur Feststellung von Verstößen einschalten.

Download: VENRO_Kodex_Transparenz_v06(1)

Inhalt

Präambel – 3
1. Organisationsführung – 3
1.1 Prinzipien – 3
1.2.1 Die Mitgliederversammlung – 4
1.2.2 Das zwischengeschaltete Aufsichtsorgan – 4
1.2.3 Das Leitungsorgan – 4
2. Kommunikation (Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising) – 5
2.1 Prinzipien – 5
2.2 Standards – 5
2.2.1 Allgemeine Anforderungen an einen Jahresbericht – 6
2.2.2 Spezielle Anforderungen an einen Jahresbericht – 6
2.2.3 Weitere Standards – 6
3. Betriebsführung – 7
3.1 Prinzipien – 7
3.2 Standards – 8
3.2.1 Vergütung und Auswahl von Mitarbeitern und Beratern – 8
3.2.2 Kennzahlen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit – 8
3.2.3 Rechnungslegung und Jahresrechnung – 8
3.2.4 Beschwerdeführung und Korruption – 8
4. Wirkungsorientierung – 9
4.1 Prinzipien – 9
4.2 Standards – 9
4.2.1 Richtlinien – 9
4.2.2 Partnerorientierung – 9
4.2.3 Methoden – 9
5. Verbindlichkeit – 10
5.1 Allgemeine Bestimmungen zur Umsetzung des Kodexes – 10
5.2 Änderung des Verhaltenskodexes – 10

VENRO-Kodex über Betriebsführung

Der VENRO-Verhaltenskodex Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle (2011) macht dazu folgende Ausführungen:

3. Betriebsführung

3.1 Prinzipien

Die VENRO-Mitglieder setzen die ihnen zur Verfügung stehenden und anvertrauten Mittel wirtschaftlich ein. Unter Wirtschaftlichkeit (Effizienz) wird das Verhältnis zwischen dem erreichten Ziel beziehungsweise der erreichten Wirkung und den dafür eingesetzten Ressourcen verstanden. Durch ihr wirtschaftliches Handeln streben VENRO-Mitglieder das jeweils günstigste Verhältnis zwischen Zielerreichung und Mitteleinsatz an.

Die VENRO-Mitglieder stehen in der Verantwortung und Verpflichtung, die Mittel zielorientiert, zweckmäßig, sparsam und nur in dem zur Erfüllung der Aufgaben notwendigen Umfang einzusetzen.

VENRO-Mitglieder verpflichten sich, ihre Werbe- und Verwaltungsausgaben in einem sachlich angemessenen Rahmen zu halten. Sie orientieren sich bei der Ermittlung ihrer Werbe- und Verwaltungsausgaben jeweils an den vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) veröffentlichten Standards und Kennzahlen. Unter Korruption verstehen VENRO-Mitglieder den Missbrauch von anvertrauter Macht zum eigenen Vorteil.

VENRO-Mitglieder bekämpfen Korruption als Entwicklungshemmnis auf allen Ebenen ihres Handelns. Die VENRO-Mitglieder verpflichten sich, Standards für die Prävention und Bekämpfung der Korruption zu erarbeiten.

Die VENRO-Mitglieder verpflichten sich außerdem, wirkungsvolle Planungs-, Steuerungs- und Kontrollmechanismen zu implementieren, um die wirtschaftliche Mittelverwendung sicherzustellen. Sie wenden stringente Verfahren bei der Genehmigung und Verausgabung von Budgetmitteln an, dies beinhaltet auch Kriterien für die Bereitstellung von Projektmitteln sowie Regelungen für die Vergabe von Aufträgen an Dritte / Dienstleister.

Die Mitglieder legen Richtlinien für die Bereiche Beschaffung, Zeichnungsberechtigung (mit »Vier-Augen-Prinzip«) und Reisekosten fest und geben auf Anfrage darüber Auskunft. Mittelfluss und zweckentsprechende Verwendung werden überwacht, auch um Verschwendung und Missbrauch von Geldern vorzubeugen und diese aufzudecken. VENRO-Mitglieder bewerten Risiken realistisch, minimieren sie und sichern sich, soweit wirtschaftlich sinnvoll, dagegen ab.
Die Vergütung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Aufwandsentschädigungen der Organmitglieder hat mit Blick auf die Größe der jeweiligen Organisation sowie die erforderliche Qualifikation und Verantwortung der Mitarbeitenden angemessen zu sein. Die Beauftragung von Beraterinnen und Beratern soll in einem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen. Beraterhonorare sollen sich im marktüblichen Rahmen bewegen; als gemeinnützige und
Spenden sammelnde Organisationen können die VENRO-Mitglieder jedoch nicht die gleichen Honorare zahlen, wie sie in der freien Wirtschaft üblich sind.

3.2 Standards

Die folgenden Standards konkretisieren die zuvor beschriebenen Prinzipien.

3.2.1 Vergütung und Auswahl von Mitarbeitern und Beratern

VENRO-Mitglieder achten auf eine Balance zwischen der öffentlichen Erwartung an die Vergütung in gemeinnützigen Organisationen und der Notwendigkeit, die Vergütung so zu gestalten, dass die für die Erfüllung der Aufgaben benötigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesprochen und gehalten werden können.
Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden grundsätzlich durch ein Ausschreibungsverfahren ausgewählt. Das Auswahlverfahren von Beratern muss transparent gemacht werden beziehungsweise durch ein Ausschreibungsverfahren geregelt sein.

3.2.2 Kennzahlen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit

Die VENRO-Mitglieder haben unterschiedliche Aufträge, Strukturen und Arbeitsweisen und finanzieren sich unterschiedlich. Entsprechend verwenden sie auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Kennzahlen zur Messung ihrer Wirtschaftlichkeit. Um dennoch größtmögliche Vergleichbarkeit zu erzielen, stehen die VENRO-Mitglieder im engen Austausch über die Weiterentwicklung von Kennzahlen.

3.2.3 Rechnungslegung und Jahresrechnung

Die Rechnungslegung der VENRO-Mitglieder dokumentiert hinreichend detailliert und nachvollziehbar die Mittelherkunft und Mittelverwendung sowie die Zusammensetzung und Entwicklung des Vermögens, der Rücklagen und der Verbindlichkeiten. Soweit wirtschaftlich vertretbar soll die Rechnungslegung gemäß Handelsgesetz erfolgen und die Jahresrechnung aus einer Gewinn- und Verlustrechnung sowie einer Bilanz bestehen.

Die VENRO-Mitglieder veröffentlichen auf Anfrage ihre Jahresrechnung und die in der Rechnungslegung angewandten Vorschriften (Bürgerliches Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch).

Finanzielle Zuwendungen von dritter Seite, die wesentliche Bedeutung haben und nicht in den Einnahmen und Ausgaben ausgewiesen werden, sind nachrichtlich im Finanzbericht zu erwähnen.

3.2.4 Beschwerdeführung und Korruption

Es ist ein geeigneter Rahmen, zum Beispiel durch die Beauftragung einer neutralen Ombudsperson, zu schaffen, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Beschwerde führen können, ohne dass ihnen deswegen negative Konsequenzen drohen.
Darüber hinaus soll jedes VENRO-Mitglied schriftliche Richtlinien zur Vorbeugung von Interessenkonflikten und Korruption erstellen. Sie sorgen für deren Veröffentlichung auf Anfrage und für deren Einhaltung.

VENRO-Kodex über Kommunikation (Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising)

Der VENRO-Verhaltenskodex Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle (2011) macht dazu folgende Ausführungen:

2. Kommunikation (Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising)

2.1 Prinzipien

VENRO-Mitglieder verpflichten sich, offen, wahrhaftig und umfassend über ihre Arbeit, Aktivitäten, Finanzen und Strukturen Rechenschaft abzulegen. Transparente Kommunikation dient der Spenderwerbung, dem Nachweis über den Einsatz der Gelder sowie der Erfüllung des entwicklungspolitischen Bildungsauftrags der Mitglieder. VENRO-Mitglieder informieren die Öffentlichkeit und ihre Förderer, dass Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, Projektbegleitung und Verwaltung notwendig sind und auch aus Spendengeldern finanziert werden.

Die VENRO-Mitglieder schaffen Vertrauen, indem ihre Kommunikation eindeutig und konsistent ist – ob sie sich nun an Spender und Spenderinnen, Ehrenamtliche, Medien, Politik oder die allgemeine Öffentlichkeit richtet. VENRO-Mitglieder kommunizieren in einer klaren, verständlichen Sprache. Das bedeutet: Informationen werden sach- und zielgruppengerecht ausgewählt und aufbereitet. Die Organisationen berichten über alle wesentlichen Aspekte ihrer Arbeit, über ihre Erfolge – aber auch über noch bestehende Herausforderungen und Rückschläge. Durch einen offenen Umgang mit den Medien beugen sie sowohl der Idealisierung ihrer Arbeit als auch einer pauschalen und skandalisierenden Kritik vor.

Die VENRO-Mitglieder stellen Informationen bereit und führen einen offenen Dialog mit der Öffentlichkeit und den Förderern. Sie unterstützen den mündigen Spender, der sich selbstständig informiert. Sie bieten klar definierte Mitwirkungsmöglichkeiten, die den Bedürfnissen der Spender und Spenderinnen entgegenkommen, aber nicht zu einer Bevormundung von Projekten und Partnern führen. VENRO-Mitglieder kommunizieren, dass Werbe- und Verwaltungsausgaben notwendig und sinnvoll sind. Diese ermöglichen eine qualitativ hochwertige Arbeit in den Bereichen Spendenwerbung, Mittelverwendung und Transparenz.

VENRO-Mitglieder betreiben Fundraising5 in der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe professionell, qualifiziert und ethisch fundiert. Fundraising soll glaubwürdig und redlich sein, sowohl in Bezug auf die Instrumente der Mittelbeschaffung als auch hinsichtlich der kommunizierten Inhalte.

Spendenwerbung muss unter dem Aspekt der Kosten-Nutzen- Relation erfolgen. Dazu brauchen die Organisationen professionell aus- und weitergebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sei es als Haupt- oder als Ehrenamtliche. Ebenso braucht Fundraising ein angemessenes Budget zum Einwerben von Mitteln.

VENRO-Mitglieder geben Auskunft über die in ihrem Fundraising eingesetzten Instrumente. Fundraisingmethoden, die gegen die guten Sitten verstoßen oder auf der arglistigen Täuschung von Spenderinnen und Spendern beruhen, werden von den VENRO-Mitgliedern ausdrücklich ausgeschlossen. Die VENRO-Mitglieder verpflichten sich zur Veröffentlichung eines Jahresberichts. Werbe- und Verwaltungsausgaben sollen getrennt dargestellt, aber gemeinsam kommuniziert werden.
Detaillierte Ausführungen über die Öffentlichkeitsarbeit sind dem VENRO-Kodex Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit zu entnehmen.

2.2 Standards

Die folgenden Standards für eine gute Praxis unterscheiden allgemeine Anforderungen an einen Jahresbericht und spezielle Anforderungen an einen Jahresbericht. Letztere richten sich in erster Linie an Organisationen mit jährlichen Gesamteinnahmen ab drei Millionen Euro.

2.2.1 Allgemeine Anforderungen an einen Jahresbericht

Die Jahresberichte der Mitgliedsorganisationen sollen folgende Bestandteile beinhalten:
• Tätigkeitsbericht,
• Finanzbericht6,
• Organstruktur und Bericht der Organe,
• Arbeitsweise und angewandte Methoden.
Um die Informationen im Jahresbericht auf das Wesentliche zu begrenzen, ist es sinnvoll, zusätzliche oder detaillierte Informationen über das Internet oder auf Anfrage zur Verfügung zu stellen. Dies gilt neben der Jahresrechnung zum
Beispiel für die Satzung, Evaluationsberichte, ausführliche Darstellung der Planungs- und Kontrollsysteme und für das Organigramm.
Bereitgehalten werden sollen außerdem Informationen über die Art und Höhe der Vergütung des Leitungsorgans sowie über die Zusammenarbeit mit freien Beratern, Agenturen und anderen Dienstleistern.

2.2.2 Spezielle Anforderungen an einen Jahresbericht

Organisationen mit jährlichen Gesamteinnahmen ab drei Millionen Euro sollen sich bei der Veröffentlichung ihrer Jahresberichte an den folgenden Angaben orientieren:
Tätigkeitsbericht
• Satzungszwecke (inklusive Verweis, wie Satzung angefordert werden kann),
• Ziele und Strategien,
• Erfolge, Risiken und Probleme / Schwierigkeiten (mit konkreten Projektbeispielen),
• Gesamtübersicht über die Mittelverwendung für satzungsgemäße Aufgaben im Aus- und Inland (Projekte, Programme, Dienstleistungen, Kampagnen),
• Bericht über Marketing (Werbung und Fundraising), insbesondere über die eingesetzten Instrumente,
• Ausblick auf das Folgejahr.

Finanzbericht

• Angaben gemäß DZI-Richtlinien, enthält mindestens eine detaillierte Darstellung der Zusammensetzung der Einnahmen und Ausgaben, die Höhe der Projektausgaben sowie der Werbe- und Verwaltungskosten,
• Vergleichszahlen des Vorjahres sind anzugeben und finanzielle Vorteile von dritter Seite sind nachrichtlich zu erwähnen, sofern sie wesentliche Bedeutung haben und nicht in den Einnahmen und Ausgaben ausgewiesen werden,
• Erläuterung der wesentlichen Positionen der Einnahmen
und Ausgaben, • Darstellung der Ergebnisverwendung (insbesondere der Rücklagenentwicklung),
• Angaben darüber, welcher vereidigte Buchprüfer / Wirtschaftprüfer mit welchem Ergebnis / Testat die Jahresrechnung durchführt.

Organisationsstruktur und Bericht der Organe

• Organe, deren personelle Zusammensetzung und Aufgaben,
• Angaben zur Gehaltsstruktur sowie zur Vergütung und Aufwandsentschädigung der Leitungsebene und Organmitglieder,
• Bericht der Organe über ihre Tätigkeit,
• Mitgliedschaften und Vernetzungen,
• Informationen über verbundene und unterstützende Organisationen (zum Beispiel Stiftungen, Fördervereine, ausgegliederte wirtschaftliche Geschäftsbetriebe),
• Organigramm.

Arbeitsweisen und Methoden

Darstellung der Planungs- und Kontrollsysteme, Methoden und Instrumente der Planung, des Monitoring, der Evaluierung und der Wirkungsbeobachtung von Projekten und Programmen.
2.2.3 Weitere Standards
Die Zusage einer 100-prozentigen Mittelweiterleitung in die Projekte – gleichbedeutend der Behauptung, keine Werbe- und Verwaltungsausgaben zu haben – ist unzulässig. Handelt es sich tatsächlich um Organisationen auf rein ehrenamtlicher Basis, soll der Hinweis auf die Ressourcen erfolgen, die die Arbeit ermöglichen.

Betriebsführung

Bei der Kommunikation von Werbe- und Verwaltungsausgaben werden Einnahmen und Ausgaben transparent dargestellt.
Dabei sind folgende Angaben zu berücksichtigen:
• Anteil der Spendengelder an den Gesamteinnahmen,
• Anteil der öffentlichen und internationalen Mittel an
den Gesamteinnahmen,
• Anteil der kirchlichen Steuergelder an den Gesamteinnahmen.
Auf Anfrage geben die Organisationen Auskunft über Provisionszahlungen.

VENRO-Kodex über Organisationsführung

Der VENRO-Verhaltenskodex Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle (2011) macht dazu folgende Ausführungen:

1. Organisationsführung

1.1 Prinzipien

Leitungsaufgaben und die Aufsicht des Leitungsorgans werden von unterschiedlichen Organen wahrgenommen. Die Zusammensetzung, Aufgaben, Verantwortungsbereiche und Entscheidungsbefugnisse der jeweiligen Organe werden klar und eindeutig beschrieben. Sie ergeben sich aus der Satzung und werden in einer Geschäftsordnung und anderen Verfahrensrichtlinien näher ausgeführt.

Leitungsorgan und Geschäftsführung informieren die mit der Aufsicht und den Kontrollaufgaben befassten Organe regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für die Organisation relevanten Fragen der Planung, Strategie, Geschäftsentwicklung sowie Risikofaktoren. Dazu werden aussagefähige und entscheidungsnotwendige Unterlagen zur Verfügung gestellt. Probleme werden nicht verschwiegen, sondern offengelegt.

Die Mitglieder des Leitungsorgans und der Geschäftsführung verpflichten sich auf ein ethisch verantwortbares, effizientes und fachkompetentes Handeln. Positionen und Arbeitsaufträge werden möglichst so verteilt, dass sie den Fähigkeiten, Erfahrungen und Neigungen der betreffenden Personen entsprechen. Das Führungspersonal baut auf die Kompetenz und Kreativität seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und beteiligt sie an Strategieprozessen und Problemlösungen.

Das Anbringen und Anhören von konstruktiver Kritik ist genauso Bestandteil der Organisationskultur wie ein vertrauensvoller und geschützter Umgang mit internen Beschwerden über tatsächliche oder vermutete a) Verstöße gegen Satzung, Geschäftsordnung oder interne Regelungen eines VENRO-Mitglieds, b) Verschwendung, zweckfremde Mittelverwendung oder Korruption sowie c) Verstöße gegen diesen Kodex.

Die Organe der VENRO-Mitglieder sind so zu besetzen, dass Interessenkonflikte möglichst vermieden werden. Potentielle Interessenkonflikte sind offenzulegen.

1.2 Standards

Nachfolgend wird ein Grundmodell in Anlehnung an das Deutsche Vereinsrecht dargestellt, an dem sich die VENRO-Mitglieder orientieren. Für VENRO-Mitglieder, die in einer anderen Rechtsform als der des eingetragenen Vereins organisiert sind (rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen oder öffentlichen Rechts, GmbH), gilt das Grundmodell sinngemäß.

Die Aufgaben der Mitgliederversammlung werden bei diesen Körperschaften von den entsprechenden satzungsgemäßen Organen (zum Beispiel Stiftungsrat, Kuratorium, Gesellschafterversammlung) wahrgenommen.

1.2.1 Die Mitgliederversammlung

• Die Mitgliederversammlung ist das oberste Aufsichts- und Kontrollorgan.
• Sie beschließt alle grundsätzlichen und richtungsweisenden
Vorgaben und Maßnahmen, die nicht dem Leitungsorgan oder anderen Organen der Organisation zugewiesen sind.
• Sie beschließt die Satzung und entscheidet über Satzungsänderungen.
• Sie wählt ein gegebenenfalls zwischengeschaltetes Aufsichtsorgan, an das es gemäß Satzung Aufgaben delegieren kann.
• Sie beauftragt den vereidigten Buchprüfer oder die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die nach Möglichkeit alle sieben Jahre gewechselt werden sollen.
• Sie nimmt den Tätigkeitsbericht des Leitungsorgans, den Rechenschaftsbericht3 des gegebenenfalls zwischengeschalteten Aufsichtsorgans und den Rechnungsprüfungsbericht entgegen; sie nimmt die Jahresrechnung ab und erteilt – oder verweigert – beiden Organen die Entlastung.
• Sie tagt mindestens einmal im Jahr.
• Sie setzt den Mitgliedsbeitrag fest.
• Sie beschließt über die Auflösung der Organisation gemäß Satzung.

1.2.2 Das zwischengeschaltete Aufsichtsorgan

• Ab einer Größe von 50 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Gesamteinnahmen von zehn Millionen Euro jährlich soll zwischen Mitgliederversammlung und Leitungsorgan ein zusätzliches Aufsichtsorgan zwischengeschaltet werden, das die laufende Kontrolle der Leitung ausübt.
• Das zwischengeschaltete Aufsichtsorgan soll aus mindestens fünf Personen bestehen. Seine Mitglieder sind ehrenamtlich tätig. Sie müssen die für ihre Aufsichtsaufgaben notwendigen Qualifikationen mitbringen. Es wird empfohlen, die Länge der Amtszeit zeitlich zu begrenzen.
• Von den Mitgliedern der mit der Kontrolle und Aufsicht befassten Organe wird ein besonderes Engagement für die Organisation erwartet. Darüber hinaus sind diese Organe nach Möglichkeit so zu besetzen, dass sie die für den entwicklungspolitischen Nichtregierungsbereich relevanten Aufgabenbereiche abdecken.
• Es bestellt, berät und überwacht das Leitungsorgan. Außerdem verabschiedet es die Geschäftsordnung des Leitungsorgans und überwacht deren Einhaltung.
• Es ist in Entscheidungen von grundlegender Bedeutung unmittelbar eingebunden. Es bewilligt unter anderem den vom Leitungsorgan vorgelegten Jahreshaushalt.
• Zur Wahrung seiner Aufgaben kann es Ausschüsse bilden.
• Es tagt mindestens dreimal pro Jahr.
Sofern es kein zwischengeschaltetes Aufsichtsorgan gibt, werden die genannten Aufgaben von der Mitgliederversammlung wahrgenommen.

1.2.3 Das Leitungsorgan

• Das Leitungsorgan leitet die Organisation in eigener Verantwortung. Es ist für die Erarbeitung und Umsetzung der strategischen Ausrichtung der Organisation zuständig.
• Ist das Leitungsorgan rein ehrenamtlich tätig, so soll es aus mindestens fünf Personen bestehen.
• Ab einer Größe von 50 hauptamtlichen Mitarbeitern oder Gesamteinnahmen von zehn Millionen Euro jährlich soll das Leitungsorgan möglichst ein hauptamtliches sein und aus mindestens zwei Personen bestehen (Wahrung des Vier-Augen-Prinzips).

VENRO-Kodex für entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit von 2011

Der Kodex ›Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit‹ des Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) gilt seit 2011 auch für alle Mitglieder.

Download: VENRO_Kodex_EBOE_v07

Die VENRO-Mitgliedsorganisationen haben sich in der VENRO-Satzung verpflichtet, einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit in der Einen Welt zu leisten. Gemeinsam wollen die deutschen Nichtregierungsorganisationen (NRO) mit noch größerem Nachdruck für die Bekämpfung der Armut, die Verwirklichung der Menschenrechte und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen eintreten. Sie tun dies sowohl durch konkrete Projektarbeit in den armen Ländern des Südens und des Ostens, als auch durch ihre Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit im Norden.

Die Gründung von VENRO zeigt das Bemühen aller deutschen NRO, diesen Anliegen durch die Bündelung ihrer gemeinsamen Ziele Rechnung zu tragen und ihre Arbeit auf eine gemeinsame Basis zu stellen. In diesem Rahmen ist die Schaffung eines Qualitätsstandards, auf den sich die in VENRO zusammengeschlossenen NRO als Maßstab für die Art und Weise ihrer Kommunikation verpflichten, besonders wichtig.

Inhalt

I. AUFGABEN UND ZIELE ENTWICKLUNGSBEZOGENER
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT – 3
II. VERPFLICHTUNGEN – 4
1. Verpflichtung auf die Ziele und Anliegen von VENRO – 4
2. Verpflichtung gegenüber der Menschenwürde – 4
3. Verpflichtung auf Offenheit und Wahrheit – 4
4. Verpflichtung zur Toleranz – 4
5. Verpflichtung auf konstruktive Veränderungen – 4
6. Verpflichtung auf Partnerschaftlichkeit – 4
7. Verpflichtung auf angemessene Kommunikationsmittel – 4
8. Verpflichtung auf frauengerechte Darstellung – 5
9. Verpflichtung gegenüber Mitbewerbern – 5
10. Verpflichtung auf transparente und verantwortliche
Mittelverwendung – 5
11. Verpflichtung auf Effizienz und Redlichkeit bei der Mittelbeschaffung – 5
12. Verpflichtung auf die Einhaltung des Datenschutzes – 5
13. Verpflichtung auf allgemein geltende Richtlinien – 5
14. Verpflichtung auf Professionalität – 5
III. VERBINDLICHKEIT – 6
IV. AHNDUNG VON VERSTÖSSEN – 6
1. Schiedsstelle – 6

VENRO-Kodex zu Kinderrechten, 2007

Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung
in der Entwicklungs zusammenarbeit und Humanitären Hilfe

Aktiver Kindesschutz ist für VENRO seit 2006 ein wichtiges Thema. Dabei gab es immer zwei Seiten: Die eigene Verantwortung, um möglichem Missbrauch innerhalb von VENRO-Mitgliedsorganisationen, ihren hauptamtlichen und ehrenamtlichen Strukturen sowie bei Partnern im Süden vorzubeugen. Sollte dieser Fall dennoch eintreten, müssen Schutzmechanismen greifen. Auf der anderen Seite stehen die Rechte von Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe der Entwicklungszusammenarbeit, etwa beim Recht auf Bildung und Schutz vor Ausbeutung.

Ende 2007 hat die Mitgliederversammlung von VENRO ein Grundlagenpapier zum Kindesschutz beschlossen. Seite Ende 2009 gilt der „VENRO-Kodex zu Kinderrechten: Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe“ für alle Mitglieder.

VENRO_Kodex_Kinderrechte_v06